13.07.2017

Wärmenetze der 4. Generation entwickeln / Neues Förderprogramm gestartet

Fachtagung „Nahwärme kompakt“ informiert am 28. September in Karlsruhe über zukunftsweisende Wärmeversorgung. Veranstalter ist das Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA.


Umweltstaatssekretär Dr. Andre Baumann wird bei der Fachtagung sprechen. Bild: KEA/Anna Schuricht

In den vergangenen Jahren sind bei Wärmenetzen große technische Fortschritte erzielt worden. Viele Einzelkomponenten wie dreifach isolierte Rohre oder Wärmeübergabestationen werden daher künftig keine großen Effizienzsprünge mehr erlauben. Betrachtet man jedoch die gesamte Systemkette von der Wärmeerzeugung über die Verteilung bis zu den Abnehmern sowie die Einbettung der Wärmenetze in das künftige Energiesystem, gibt es noch erhebliche Entwicklungspotenziale. Auf der Fachtagung „Nahwärme kompakt“ am 28. September 2017 in Karlsruhe präsentiert das Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg neue nationale und internationale Erfahrungen. Fördergelder für Modellprojekte in diesem Bereich gibt es seit 1. Juli von der BAFA. Es winken bis zu 15 Millionen Euro pro Vorhaben.

Auf der „Nahwärme kompakt“ hält Staatssekretär Dr. Andre Baumann vom Umweltministerium Baden-Württemberg den Einführungsvortrag. Über Erfahrungen aus einem solar gespeisten Wärmenetz in Dänemark berichtet Johan Frey von Dronninglund Fjernvarme. Dr. Martin Pehnt, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu), spricht über die erforderlichen Rahmenbedingungen für Wärmenetzsysteme der vierten Generation. Zum Programm gehören sieben weitere Vorträge und eine Podiumsdiskussion.

Das vorläufige Programm und die Anmeldung sind unter www.energiekompetenz-bw.de/events online.  Die Teilnahme an der jährlich stattfindenden Tagung für Fachleute kostet 75 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Bis zum 21. September 2017 ist eine Anmeldung möglich. Die Veranstaltung richtet sich an Kommunen, Stadtwerke, Energiegenossenschaften, sonstige Betreiber von Anlagen und Wärmenetzen, Planer und Projektentwickler sowie an Forschungsinstitute. Tagungsort ist die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe.

Projekt im Norden Dänemarks zeigt Potenziale auf

Von den ersten Dampfnetzen bis zur heute üblichen Nutzung vorgefertigter isolierter Rohre sowie Vorlauftemperaturen von unter 100 Grad Celsius – die Fortschritte bei Wärmenetzen sind gewaltig. Bei der Einbindung erneuerbarer Energien tut sich besonders Dänemark hervor: Die Kommune Dronninglund etwa hat ein Wärmenetz errichtet, das mit 1.350 Wärmekunden nahezu den gesamten Ort versorgt. Wärme liefert eine große solarthermische Anlage mit einer Fläche von 37.600 Quadratmetern. Überschüssige Energie speichert ein saisonaler Wärmespeicher mit 60.000 Kubikmeter Fassungsvermögen. Hinzu kommt eine große Wärmepumpe mit 2,1 Megawatt Leistung, ein Erdgas-BHKW und Gaskessel.

„Auf der diesjährigen ‚Nahwärme kompakt‘ stehen unter anderem die Erfahrungen aus Dänemark im Fokus“, sagt Helmut Böhnisch, Leiter des Kompetenzzentrums Wärmenetze. Auf der Fachtagung wird aber auch diskutiert, welche Schritte in Deutschland in den nächsten Jahren notwendig sind, um bis 2050 das angestrebte Ziel einer erfolgreichen Wärmewende zu erreichen.

Wärmewende muss an Fahrt aufnehmen

Für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand muss die Wärmewende hierzulande erheblich an Fahrt aufnehmen. Wärmenetze sind hierfür prädestiniert. Sie erleichtern die Nutzung von erneuerbaren Energien, energieeffizienter Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärme in erheblichem Maße.
Privatpersonen und Unternehmen können Wärmenetze nutzen. Wer einen Anschluss hat, muss sich nicht mehr um die Heizungsanlage kümmern und treibt die klimafreundliche Wärmeversorgung voran. Kommunen erhöhen ihre Versorgungssicherheit und halten die Wertschöpfung im Ort. Und für Stadtwerke und Genossenschaften sind die langjährigen Verträge mit den Kunden interessant.
„Wärmenetze können künftig das Rückgrat der Wärmeversorgung bilden“, so Böhnisch. „Besonders in Kombination mit Speichern sind die Aussichten positiv. Speicher haben Kapazitäten von wenigen Stunden oder Tagen bis hin zur saisonalen Langzeitspeicherung über Monate.“ Wärmenetze kombinieren darüber hinaus sinnvoll verschiedene Techniken zur Wärmeerzeugung und können auch die Wärmeversorgung mit dem Stromsektor koppeln. Damit wird die Energieversorgung flexibel.
Wärmenetze sind jedoch nicht nur die Voraussetzung für den Einsatz zentraler, CO2-armer Wärmeerzeugungstechniken – sie müssen auch selbst eine möglichst hohe Effizienz aufweisen. Das heißt: Möglichst wenig Wärme beim Transport verlieren. Zudem kommt der Anschlussquote sowie der Kostenstruktur große Bedeutung zu. Auch das wird Thema der Fachtagung sein.

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Veranstaltung: „Nahwärme kompakt“

Datum: 28. September 2017, 9:30 bis 17:30 Uhr
Ort: Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, Lammstraße 13-17, 76133 Karlsruhe
Programm: Die Referenten beleuchten die aktuelle Situation in Baden-Württemberg, zeigen Perspektiven auf, erläutern die Herangehensweisen, stellen Projekte aus Kommunen und Genossenschaften vor und informieren über die Finanzierung. Es bleibt außerdem genügend Zeit für Austausch und Diskussion.
Zielgruppen: Kommunen, Stadtwerke, Energiegenossenschaften, sonstige Betreiber von Anlagen und Wärmenetzen, Planer und Projektentwickler sowie Forschungsinstitute.
Veranstalter: Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg
Anmeldung: www.energiekompetenz-bw.de/waermenetze/aktuell/veranstaltungen
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