10.10.2017

Immer mehr Kommunen sparen gemeinsam Energie

In Baden-Württemberg entstehen zwölf neue Energieeffizienz-Netzwerke Insgesamt fast 100 Kommunen neu dabei. KEA-Kompetenzzentrum Energiemanagement bietet kostenfreie Unterstützung.


Zwölf kommunale Energieeffizienznetzwerke gibt es jetzt im Südwesten – drei davon (dunkelbraun markiert) haben bereits die Arbeit aufgenommen.

Kommunale Liegenschaften bieten enorme energetische und damit auch finanzielle Einsparpotenziale. Doch gerade kleinen Gemeinden fehlt es oft an Ressourcen und Know-how. So bleibt das Einsparpotenzial vielerorts ungenutzt. Immer mehr Kommunen schließen sich deshalb zu kommunalen Energieeffizienz-Netzwerken (kEEn) zusammen, um gemeinsam die Energiekosten in ihren Liegenschaften dauerhaft zu senken und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Nachdem im Südwesten bereits zwei kEEn seit Jahren erfolgreich agieren, sind nun zwölf weitere gefolgt beziehungsweise stehen kurz vor der Gründung. Das Kompetenzzentrum Energiemanagement der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg hat die Netzwerke initiiert. Es unterstützt Städte, Gemeinden und Netzwerkmanager landesweit mit Initialberatungen, Arbeitshilfen und Vorträgen.

Zu den bereits aktiven Netzwerken Enzkreis und Landkreis Rastatt/Karlsruhe kommen nun ein Dutzend neuer kommunaler Energieeffizienz-Netzwerke hinzu: Neben denen im Landkreis Reutlingen, Emmendingen, Ravensburg, Tübingen, Lörrach, Waldshut-Tiengen, Ludwigsburg und Rems Murr sind derzeit auch die Netzwerke Bodenseekreis, Rhein-Neckar-Kreis, der Voralbgemeinden rund um Bad Boll sowie ein Baden-Württemberg-weites Netzwerk in Entstehung. Insgesamt werden im Südwesten fast 100 Kommunen neu an den Netzwerken teilnehmen. Eine Übersichtskarte zu allen kommunalen Energieeffizienz-Netzwerke in Baden-Württemberg gibt es online: www.energiekompetenz-bw.de/energiemanagement/karte/

Geringe Kosten – Hoher Nutzen – Wenig Zeitaufwand

Im kEEn schließen sich mit Energiethemen beauftragte Mitarbeiter mehrerer Gemeinden unter fachkundiger Leitung zusammen. Dort erhalten sie eine neutrale energetische Beratung, Expertentipps und Schulungen. In den regelmäßig stattfindenden Netzwerktreffen tauschen sich die Teilnehmenden unter der Leitung eines erfahrenen Netzwerkmanagers über praktische Fragen des kommunalen Energiemanagements aus. Die Kommunen lernen gemeinsam und profitieren von den Erfahrungen der Nachbargemeinden. Sehr oft reduzieren sich Arbeitsaufwand und Energieverbrauch dadurch deutlich: Zwischen 15 und 25 Prozent geringere Energiekosten sind möglich. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Klimaschutzprojekte schneller und erfolgreicher umgesetzt werden, wenn Gemeinden zusammenarbeiten.

Künftig können alle Kommunen im Land an kEEn teilnehmen. Die Kosten pro Kommune betragen rund 5.000 Euro pro Jahr, der jährliche Zeitaufwand liegt bei etwa acht Arbeitstagen. Interessierten Netzwerkinitiatoren (zum Beispiel Landkreise), Netzwerkmanagern (zum Beispiel regionale Energieagenturen) und Kommunen stehen die kostenfreien Unterstützungsangebote des Kompetenzzentrums Energiemanagement der KEA zur Verfügung. Dazu gehören Initialberatungen, Arbeitshilfen und Vorträge.

Staatliche Förderung für kEEn gibt es ebenfalls: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wickelt das Bundesprogramm „Förderung von Energieeffizienz-Netzwerken von Kommunen“ ab. Eine zweite Fördermöglichkeit ist das baden-württembergische Programm Klimaschutz-Plus. Das Landesumweltministerium hat es im vergangenen Jahr um das Element „Energiemanagement“ erweitert. Kommunen, Vereine, Kirchen und Gesundheitseinrichtungen können bei der Einführung eines Energiemanagementsystems damit Landeszuschüsse erhalten.

Beispiel Netzwerk Enzkreis

Im Herbst 2015 startete das bundesweit erste kommunale Energieeffizienz-Netzwerk im Enzkreis. Dort treffen sich viermal im Jahr Netzwerkbeauftragte aus acht Gemeinden, um gemeinsam die Einsparpotenziale ihrer Liegenschaften zu erschließen. Das Netzwerk hat bereits viele Projekte umgesetzt. So entwickelte etwa jede teilnehmende Kommune eine individuelle Lösung, um ihr Energiemanagement zu organisieren und baute ein Energieverbrauchs-Controlling auf. Die Gemeinden haben ein Projekt zur Nutzersensibilisierung realisiert und energietechnische Beratungen zu Nahwärme und Beleuchtung erhalten. Das Netzwerk konzipierte sogar einen energieautarken Kindergarten.

Netzwerke bieten vier Vorteile

Vier Argumente sprechen für die Netzwerkarbeit: Erstens gewährleisten die Netzwerke einen einfachen und strukturierten Einstieg in das kommunale Energiemanagement und damit die Ausschöpfung der nichtinvestiven Einsparpotentiale. Zweitens können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Umsetzung investiver Energieeffizienzmaßnahmen von den Erfahrungen der anderen lernen. Sie reduzieren damit den eigenen Aufwand und vermeiden Fehler. Drittens begleitet der Netzwerkmanager die Kommunen als „Klimaschutzkümmerer“ mindestens für drei Jahre. Somit hat die Kommune einen kompetenten Ansprechpartner und Begleiter während der Umsetzung ihrer lokalen Klimaschutzmaßnahmen. Und viertens stärken die im Rahmen der Netzwerkarbeit durchgeführten energietechnischen Beratungen und die Beschleunigung der Umsetzung investiver Maßnahmen die regionale Wirtschaft.