29.09.2016

Tagung: Nahwärme kompakt

Effiziente Wärmenetze | 29.09.2016 | Karlsruhe


Mit über 90 Teilnehmern war die Tagung, die Staatssekretär Dr. Andre Baumann eröffnete, ein voller Erfolg.

Informationen und Erfahrungsaustausch Wärmenetzen präsentierte das Kompetenzzentrum Wärmenetze der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg am 29. September 2016 in Karlsruhe. Die jährliche Tagung Nahwärme kompakt fand erstmals ganztägig statt.

 

Rückblick

Einen ausführlichen Rückblick zur Tagung finden Sie unten.

Programm

Das Programm können Sie hier herunterladen

Vorträge

Nachfolgend finden Sie zum freien Download sämtliche Vorträge der Veranstaltung. Bitte beachten Sie die Urheberrechte der jeweiligen Autoren. Den Feedbackbogen können Sie hier herunterladen und ausgefüllt senden an ursula.rubenbauer(at)kea-bw.de

Fernwärme 3.0 – Strategien für eine zukunftsorientierte Fernwärmepolitik
Dr. Matthias Sandrock, Hamburg Institut

Landesförderprogramm energieeffiziente Wärmenetze – Verwaltungsvorschrift und erste Erfahrungen
Konrad Raab, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg Referat 64

Marktbereitung für Wärmenetze – landesweites Netzwerk am Start
Helmut Böhnisch, KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH

Bioenergiedorf St. Peter – Regenerative Fernwärme aus Bürgerhand
Markus Bohnert, Bürger Energie St. Peter eG

Bonndorf – Nahwärme für eine komplette Kleinstadt
Bene Müller, solarcomplex

Solares Wärmenetzprojekt in Neuerkirch-Külz – Schritte der erfolgreichen Entwicklung
Bürgermeister Volker Wichter, Gemeinde Neuerkirch

Integration solarthermischer Großanlagen in Nah- und Fernwärme
Oliver Miedaner, solites Steinbeis-Forschungsinstitut

Kundenanlagen mit niedrigen Rücklauftemperaturen – die Basis für energieeffiziente Fernwärmesysteme
Prof. Dr. Franz-Josef Ziegler, Hochschule München

Planung und Ausführung effizienter Wärmenetze
Ulrich Ramsaier, Ingenieurbüro Schuler

Rückblick

Staatssekretär Dr. Andre Baumann (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft) eröffnete die Karlsruher Tagung Nahwärme kompakt 2016 mit dem Titel „Effiziente Wärmenetze“: Er betonte vor über 90 Teilnehmern den hohen Stellenwert, den die derzeitige Landesregierung der Nutzung erneuerbarer Energien und den verschiedenen Formen von Abwärme in Wärmenetzen einräumt. Es sei erklärtes Ziel, die bisher begonnene Energiewende um die Wärmewende zu erweitern.

 Dr. Matthias Sandrock (Hamburg Institut) stellte dazu in seinem strategischen Vortrag fünf Thesen auf:

1.       Die Energiewende kann ohne eine langfristig orientiert Wärmepolitik nicht erfolgreich sein.

2.       Wir brauchen einen massiven Ausbau Erneuerbarer Energien im Wärmesektor. Wärmenetze sind zur kostengünstigen Integration Erneuerbarer Energien gut geeignet.

3.       Die Fernwärme braucht einen technisch-ökologischen Strukturwandel jenseits der Kraft-Wärme-Kopplung mit fossilen Energien (z. B. Kohle-Heizkraftwerke).

4.       Durch die Transformation der Fernwärme zu Erneuerbaren Energien könnten Klimaschutz und Wirtschaft profitieren.

5.       Die Wärmewende braucht langfristige und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Politik sollte dafür die notwendigen Lenkungsinstrumente schaffen.

Ein Instrument zur Umsetzung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts (IEKK) auf Landesebene ist das Anfang Februar 2016 in Kraft getretene Förderprogramm Energieeffiziente Wärmenetze. In den ersten beiden Antragsrunden wurden 22 Anträge gestellt, wovon insgesamt elf bewilligt wurden. Unter anderem werden mit dem Förderbetrag von insgesamt 1,72 Millionen Euro sieben Bioenergiedörfer unterstützt, in denen überschüssige Wärme aus bestehenden Biogasanlagen in neu errichtete Nahwärmenetze eingespeist werden soll. Damit ist ein weiterer kleiner Schritt getan, die mangelnde Effizienz vieler Biogasanlagen, in denen nur der Strom genutzt wird, zu verbessern.

Die Darstellung realisierter Nahwärmeprojekte, die als Vorbild für Initiativen an anderen Orten dienen können, war ein weiterer Schwerpunkt der Tagung 2016. Die Bandbreite der genutzten Energiequellen und der dazu eingesetzten Techniken reichte von der festen Biomasse über solarthermische Freilandanlagen bis zur Abwärme aus Gewerbebetrieben. Zwei der Projekte sind aus Baden-Württemberg, eines aus Rheinland-Pfalz. Hinter den gezeigten Projekten stehen ganz unterschiedliche Betreibergesellschaften, wie Bürgerenergiegenossenschaft, kommunaler Eigenbetrieb und ein regeneratives, regional agierendes Stadtwerk.

Wie technische Fortschritte die Wärmewende unterstützen können, wurde in den drei Vorträgen mit technischem Schwerpunkt deutlich: Die Planung und der Bau von effizienten Wärmenetzen ist ein Ergebnis vieler kleiner Entwicklungsschritte einer an sich schon lange bekannten Technik. Mit zweifach gedämmten Stahl-Doppelrohren, die seit kurzem von den Herstellern angeboten werden, lassen sich gegenüber Stahl-Einzelrohren mit Standarddämmung 54 Prozent Wärmeverluste einsparen. Diese Einsparung erfolgt langfristig, da Wärmenetze aus Stahlrohren eine Lebensdauer von 40 oder sogar 50 Jahren aufweisen. Auch in der Steuerungs- und Regelungstechnik hat sich in den letzten Jahren einiges getan. So ist der hydraulisch immer als schwierig eingeschätzte Betrieb von Wärmenetzen mit mehreren Einspeisepunkten (z. B. Heizzentrale und zusätzlicher dezentraler Spitzenlastkessel) oder mit dezentralen Pufferspeichern durch Einsatz der modernen Regelungstechnik mittlerweile gut zu beherrschen. Dadurch ist es möglich, die Durchmesser der Rohrleitungen zu reduzieren und so zusätzlich Netzverluste zu vermeiden.

Daran schließt sich ein erfolgreiches Forschungsprojekt an, das an der Hochschule München in Kooperation mit den Stadtwerken München durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Projektes wurden Anlagen zur Trinkwarmwasserbereitung in Mehrfamilienhäusern optimiert. Das Problem, dass die im Geschosswohnungsbau üblichen Zirkulationsleitungen zu hohen Rücklauftemperaturen führen, die für die Fernwärme schädlich sind, kann damit umgangen werden. Die von der Hochschule entwickelten Anlagen schaffen es, trotz Zirkulation, Rücklauftemperaturen im Bereich zwischen 16 Grad Celsius und knapp 30 Grad Celsius zu realisieren. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu dem Ziel, Wärmenetze mit hohen Temperaturspreizungen zwischen Vor- und Rücklauf zu realisieren.

Die großen und effizienten solarthermischen Freilandanlagen, die derzeit in Dänemark realisiert werden, sind ebenfalls ein Beispiel für die schrittweise, zwanzigjährige Entwicklung einer schon lange bekannten Technik. Davon kann nun auch Deutschland bzw. Baden-Württemberg profitieren. Auch hierzulande ist es möglich, Anlagen mit Wärmekosten von 50 Euro/MWh zu realisieren. Berücksichtigt man die derzeit guten Förderkonditionen für Solarthermie, liegen die tatsächlichen Wärmekosten noch darunter. Jetzt, da diese Technik zur Nutzung erneuerbarer Energien in Wärmenetzen auch in Baden-Württemberg am Start ist, ist eine grundlegende Diskussion über die Verfügbarkeit und die Art der Nutzung von geeigneten Flächen unbedingt notwendig.

Nicht zuletzt spielte die Vorstellung der regionalen Initiativen zum Thema Wärmenetze, die vom Land aus dem Programm energieeffiziente Wärmenetze gefördert werden, eine wichtige Rolle. Für acht der zwölf Regionalverbände in Baden-Württemberg, konnten die Vertreter der regionalen Initiativen am 29. September 2016 den Tagungsteilnehmern ihre Motivation und Zielsetzung erläutern. Initiativen für drei weitere Regionalverbände werden, sobald über deren Anträge entschieden wurde, demnächst dazukommen. Das landesweit agierende Kompetenzzentrum Wärmenetze unter dem Dach der KEA hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der regionalen Initiativen in einem landesweiten Netzwerk zusammenzuführen. Damit können Personalkapazität und Ressourcen gebündelt und die Wirksamkeit insgesamt erhöht werden.

Bei der Tagung stellten sich Initiativen aus folgenden Regionalverbänden vor:

  • Bodensee-Oberschwaben
  • Donau-Iller
  • Heilbronn-Franken
  • Neckar-Alb
  • Hochrhein-Bodensee
  • Schwarzwald-Baar-Heuberg
  • Südlicher Oberrhein
  • Nordschwarzwald

Zu einem späteren Zeitpunkt kommen mindestens noch Mittlerer Oberrhein, Rhein-Neckar und die Region Stuttgart hinzu.


Helmut Böhnisch, Leiter des Kompetenzzentrums Wärmenetze