10.08.2018

Eigenstromverbrauch bei Kraft-Wärme-Kopplung: EU-Kommission genehmigt reduzierte EEG-Umlage

Blockheizkraftwerke lohnen für Nichtwohngebäude jetzt noch mehr / Abgabe so niedrig wie vor dem 1. Januar 2018.


Bild: KEA / triolog

Immer mehr Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften, Betreiber von Seniorenanlagen und Krankenhäuser sowie Kommunen setzen auf hoch effiziente Blockheizkraftwerke (BHKW). Die Kraftpakete im Keller erzeugen Wärme und Strom zugleich. Nun hat sich die Abgabenlast stark verringert: Betreiber von Anlagen mit einer elektrischen Leistung bis ein und über zehn Megawatt (MW) müssen künftig nur noch 40 Prozent der EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom zahlen. Die fällige EEG-Umlage reduziert sich damit von 6,79 Cent auf 2,72 Cent pro Kilowattstunde. Am 1. August 2018 hat die EU-Kommission die Reduzierung genehmigt. Darauf weist das Kompetenzzentrum KWK der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg hin. Damit liegt die Abgabe wieder so hoch wie vor 2018. Die neue Regelung gilt rückwirkend seit dem 1. Januar 2018. „In vielen Fällen lohnen sich BHKW jetzt richtig“, sagt Florian Anders vom KEA-Kompetenzzentrum.

Die volle EEG-Umlage wurde erst zum Jahreswechsel eingeführt. Zuvor mussten die Anlagenbetreiber 40 Prozent der Umlage zahlen. Nun nehmen Bundesregierung und die EU wieder Abstand von der Erhöhung auf 100 Prozent. Die Reduzierung der Umlage gilt vorerst für das Jahr 2018. Welche Regeln 2019 gelten werden, ist noch nicht klar. Auch aufgrund dieses Hin-und-Her zögern derzeit viele Unternehmen und Kommunen, die Effizienztechnologie in ihren Nichtwohngebäuden einzusetzen. Verständlich, aber zu Unrecht, sagt Florian Anders. Wer eine wirtschaftliche Strom- und Wärmeversorgung sucht, sollte sich mit der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung befassen. Eine individuelle Beratung durch Fachleute zeige die Chancen auf, so Anders.

KWK-Anteil nimmt zu – Bezuschusste Betriebsstunden verdoppelt

Die Technologie wird immer beliebter: Der KWK-Anteil an der Nettostromerzeugung wächst stetig an. Von 2003 bis 2016 stieg er deutschlandweit um 38 Prozent auf 19,1 Prozent. Ein Grund dafür sind die vielen neuen BHKW im Leistungsbereich mit 10 bis 200 Kilowatt – eine Größe, die für die meisten Unternehmen und Kommunen interessant ist.

Mit der Neuregelung werden kleine und besonders große KWK-Anlagen jetzt wieder nur noch mit 40 Prozent der Umlage belastet. In der Kategorie ein bis zehn Megawatt Leistung hängt die Höhe der EEG-Umlage von der Zahl der Vollbenutzungsstunden ab – unterhalb von 3.500 Vollbenutzungsstunden liegt die Umlage bei 40 Prozent, steigt die Anzahl der Stunden, steigt auch die Umlage. Vollständig befreit von der EEG-Umlage sind nur Anlagen, die vor dem 1. August 2014 in Betrieb gegangen sind.

Eine Verbesserung gab es übrigens auch 2016 mit der Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes. Sie stärkt kleinere Anlagen, wie sie vermehrt in der Quartiers- und Objektversorgung vorkommen. Der Effekt: Bei BHKW bis 50 Kilowatt elektrischer Leistung hat sich die Zahl der bezuschussten Vollbenutzungsstunden von 30.000 auf 60.000 erhöht. Dadurch ist der Ausbau dezentraler Anlagen für kleinere und mittlere Gebäude attraktiver geworden.

Als Empfänger der KWK-Zuschläge kommen auch Contractoren, Mieter GbR und Betreiber nach dem Pachtmodell infrage, die den Strom in einer Kundenanlage oder einem Arealnetz verkaufen. Neue oder modernisierte KWK-Anlagen, die Strom und Wärme auf Basis von Stein- oder Braunkohle erzeugen, erhalten keine Förderung mehr.

BHKW passend auslegen, neutrale Beratung wichtig

Ob sich ein BHKW lohnt, sollten Eigentümerinnen und Eigentümer von Nichtwohngebäuden bei einer neutralen Energieberatung klären. Große Sorgfalt müssen die Fachleute auf die richtige Dimensionierung legen. Nur wenn es passend ausgelegt ist, kann das BHKW auch wirtschaftlich arbeiten. Vor der Planung sollte beispielsweise der aktuelle Energieverbrauch geprüft werden. Erst dann lassen sich Strom- und Wärmebedarf genau abschätzen. Generell gilt: BHKW können sich ab 4.000 Betriebsstunden pro Jahr lohnen. Allein bei einem Dauerbetrieb von Mitte Oktober bis Ende März kommen bereits rund 3.500 Betriebsstunden zusammen. Wer das BHKW mindestens weitere 500 bis 1.000 Stunden im Jahr betreiben würde, der sollte sich bei einem Neubau oder einem Heizungstausch überlegen, ob die Technologie zu seinem Bedarf passt. Vor allem in Gewerbe- und Industriebetrieben ist das oft der Fall.

Energieberater und -beraterinnen geben auch weitere wichtige Tipps. Beispielsweise, dass vor dem Kauf eines BHKW eine Zulassung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erfolgen muss. Eine Datenbank mit Kontaktdaten erfahrener Energieberater befindet sich auf der Internetseite des KEA-Kompetenzzentrums (siehe unten). Das Expertenteam des Kompetenzzentrums unterstützt Interessierte auch direkt: Bei einer kostenfreien Initialberatung informiert es über die Chancen der Technologie und ermittelt den individuellen Bedarf.

Die Beraterdatenbank: www.energiekompetenz-bw.de/kwk/wissensportal/beraterdatenbank-und-projektbeispiele/